Unglücklich in der Beziehung: Gehen oder bleiben?
Du bist unglücklich in deiner Beziehung und weißt nicht weiter? Ein ehrlicher Wegweiser für eine der schwierigsten Entscheidungen.
Das Gefühl, dass etwas nicht stimmt
Es gibt Momente, in denen du weißt, dass etwas nicht stimmt. Nicht weil es einen großen Streit gab oder einen offensichtlichen Auslöser. Sondern weil sich ein leises, beständiges Gefühl in deinen Alltag geschlichen hat: Du bist unglücklich in deiner Beziehung. Und du weißt nicht, was du damit anfangen sollst.
Vielleicht denkst du schon länger darüber nach. Vielleicht schiebst du den Gedanken seit Monaten oder sogar Jahren vor dir her. Du funktionierst im Alltag, ihr streitet nicht übermäßig viel, nach außen sieht alles okay aus. Aber innen drin fühlst du dich leer, einsam oder gefangen. Und dann kommt die Frage, die alles noch schwerer macht: Soll ich gehen oder bleiben?
Dieser Artikel ist kein schneller Ratgeber, der dir in drei Schritten die Antwort liefert. Denn die Wahrheit ist: Diese Entscheidung kann dir niemand abnehmen. Aber ich kann dir helfen, klarer zu sehen, die richtigen Fragen zu stellen und eine bewusste Entscheidung zu treffen – anstatt dich von Angst oder Trägheit leiten zu lassen.
Woran du erkennst, dass du wirklich unglücklich bist
Jede Beziehung hat Phasen, in denen es nicht rund läuft. Das ist normal. Die Anfangsverliebtheit lässt nach, der Alltag kehrt ein, Stress von außen belastet die Partnerschaft. Aber es gibt einen Unterschied zwischen einer schwierigen Phase und einer grundlegenden Unzufriedenheit.
Anzeichen, die auf echte Unzufriedenheit hindeuten:
- Du freust dich nicht mehr, wenn dein Partner nach Hause kommt.
- Ihr redet nur noch über Organisatorisches – selten über Gefühle oder Träume.
- Körperliche Nähe fühlt sich unangenehm oder gleichgültig an.
- Du ertappst dich dabei, dir ein Leben ohne deinen Partner vorzustellen – und es fühlt sich erleichternd an.
- Du vermeidest Konflikte, weil du die Energie nicht mehr aufbringst, etwas zu verändern.
- Du fühlst dich einsamer in der Beziehung als wenn du alleine wärst.
- Grundlegende Werte oder Lebensziele stimmen nicht mehr überein.
- Du bleibst vor allem aus Pflichtgefühl, Angst oder Gewohnheit.
Wenn du dich in mehreren dieser Punkte wiederfindest, ist das ein deutliches Signal, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen. Auf unserer Seite zum Thema unglücklich in der Beziehung findest du weitere Impulse zur Selbstreflexion.
Warum wir in unglücklichen Beziehungen bleiben
Wenn die Unzufriedenheit so deutlich ist, warum gehen dann so viele Menschen nicht? Die Gründe sind vielfältig – und sie haben nichts mit Schwäche zu tun. Im Gegenteil: Es sind zutiefst menschliche Mechanismen, die uns an Ort und Stelle halten.
Angst vor dem Alleinsein
Die Vorstellung, alleine zu sein, kann erschreckender sein als die Unzufriedenheit in der Beziehung. Besonders wenn du schon lange in einer Partnerschaft lebst, hast du vielleicht verlernt, was es bedeutet, auf dich allein gestellt zu sein. Die Frage „Was, wenn ich niemand anderen finde?" schiebt sich wie ein Riegel vor die Tür.
Gewohnheit und Komfortzone
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Selbst wenn die Gewohnheit schmerzt, ist sie vertraut – und das Vertraute fühlt sich sicherer an als das Unbekannte. Eure gemeinsame Wohnung, der Freundeskreis, die Abläufe am Wochenende – all das aufzugeben, bedeutet, ins Ungewisse zu springen. Und das kostet Mut.
Kinder und Familie
Wenn Kinder im Spiel sind, wiegt die Entscheidung besonders schwer. Der Gedanke, den Kindern eine intakte Familie zu nehmen, erzeugt massive Schuldgefühle. Aber hier lohnt sich ein ehrlicher Blick: Was lernen eure Kinder, wenn sie in einem Haushalt aufwachsen, in dem die Eltern unglücklich sind? Kinder spüren, wenn etwas nicht stimmt – auch wenn ihr es vor ihnen zu verbergen versucht.
Finanzielle Abhängigkeit
Ein gemeinsames Haus, geteilte Finanzen, ein Lebensstandard, der alleine nicht zu halten wäre – finanzielle Verflechtungen machen Trennungen kompliziert und können ein reales Hindernis sein. Es ist wichtig, diesen Faktor ernst zu nehmen, ohne ihn zum alleinigen Entscheidungskriterium zu machen.
Hoffnung und Erinnerung
„Es war doch mal so schön." Die Erinnerung an gute Zeiten kann wie ein Anker wirken, der dich festhält. Dazu kommt die Hoffnung, dass sich die Dinge von alleine ändern, wenn ihr nur lange genug durchhaltet. Aber Hoffnung allein verändert nichts. Veränderung braucht aktives Handeln – von beiden Seiten.
Fragen, die dir helfen, Klarheit zu finden
Statt die Frage „Gehen oder bleiben?" direkt zu beantworten, schlage ich vor, dass du dich zuerst mit diesen tieferliegenden Fragen beschäftigst. Nimm dir Zeit. Schreibe deine Antworten auf. Und sei radikal ehrlich zu dir selbst.
- Was fehlt dir in dieser Beziehung? Benenne es so konkret wie möglich. Nicht „alles", sondern: Nähe? Respekt? Gemeinsame Ziele? Leidenschaft? Gespräche auf Augenhöhe?
- Hast du deinem Partner gesagt, wie du dich fühlst? Viele Menschen erwarten, dass der Partner von selbst merkt, was nicht stimmt. Aber Gedanken lesen kann niemand. Hast du wirklich ausgesprochen, was dich bewegt?
- Wart ihr schon gemeinsam bereit, etwas zu verändern? Nicht in der Theorie, sondern in der Praxis. Habt ihr versucht, anders miteinander zu reden, euch Hilfe zu holen, neue Wege zu gehen?
- Stellst du dir vor, dass die Beziehung in einem Jahr besser sein könnte? Wenn ja – was müsste sich konkret verändern, damit das passiert? Und bist du bereit, deinen Teil dazu beizutragen?
- Wenn es keine Angst, kein Pflichtgefühl und keine äußeren Umstände gäbe – was würdest du tun? Diese Frage ist schmerzhaft, aber sie schneidet durch all die Schichten hindurch, die sich über dein wahres Empfinden gelegt haben.
- Geht es um diese Beziehung – oder um ein Muster, das du mit dir trägst? Manchmal liegt die Ursache für das Unglück nicht in der Partnerschaft, sondern in eigenen Themen: Bindungsangst, unverarbeitete Verletzungen aus der Kindheit, unrealistische Erwartungen. Es lohnt sich, auch diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen.
Was „Bleiben" wirklich bedeutet
Wenn du dich entscheidest zu bleiben, dann sollte das eine bewusste Entscheidung sein – kein Wegducken. Bleiben aus Angst, Bequemlichkeit oder Schuldgefühlen ist kein Bleiben, sondern ein Verharren. Und Verharren macht auf Dauer krank – körperlich und seelisch.
Echtes Bleiben bedeutet:
- Ehrlichkeit: Du sprichst offen aus, was du fühlst und brauchst. Kein Schlucken, kein Funktionieren, kein „Es wird schon wieder".
- Bereitschaft zur Veränderung: Du bist bereit, an dir und an der Beziehung zu arbeiten – und du erwartest dasselbe von deinem Partner.
- Konkrete Schritte: Ihr vereinbart, was sich ändern soll, und setzt einen realistischen Zeitrahmen. Wenn sich trotz echtem Bemühen nichts bewegt, erlaubt ihr euch, die Situation neu zu bewerten.
- Professionelle Unterstützung: Ein Beziehungscoaching kann euch helfen, die Dynamiken zu verstehen, die euch in diesem Zustand halten, und neue Wege des Miteinanders zu finden.
Bleiben ist kein passiver Zustand. Es ist eine aktive Entscheidung, die täglich erneuert werden muss. Und wenn du bleibst, dann bleib ganz – mit offenem Herzen und der Bereitschaft, die Beziehung wirklich zu führen, anstatt sie nur zu ertragen.
Was „Gehen" wirklich bedeutet
Und wenn du gehst? Dann ist auch das keine leichte Entscheidung – und sollte es auch nicht sein. Gehen bedeutet nicht, dass du aufgibst. Es kann bedeuten, dass du dich selbst ernst nimmst. Dass du erkennst: Ich habe alles versucht, und es reicht nicht. Oder: Was ich brauche, kann ich in dieser Beziehung nicht bekommen.
Was du wissen solltest, wenn du gehst:
- Es wird wehtun. Auch wenn du die Entscheidung triffst, wird der Abschied schmerzhaft sein. Trauer und Erleichterung können gleichzeitig existieren – und beide sind berechtigt.
- Schuld ist kein guter Berater. Du darfst eine Beziehung verlassen, auch wenn dein Partner nichts „Schlimmes" getan hat. Nicht jede Beziehung, die nicht funktioniert, braucht einen Schuldigen.
- Die Zeit danach braucht Raum. Plane nicht sofort die nächste Beziehung. Gib dir die Zeit, die Trennung zu verarbeiten, dich neu zu sortieren und herauszufinden, was du wirklich willst.
- Du bist nicht gescheitert. Eine Beziehung, die endet, ist kein Versagen. Sie war ein Abschnitt deines Lebens, in dem du geliebt, gelernt und dich entwickelt hast. Das bleibt – auch wenn die Beziehung geht.
Die Angst vor der Entscheidung
Die vielleicht größte Hürde ist nicht das Gehen und nicht das Bleiben. Es ist die Entscheidung selbst. Das Hin- und Hergerissensein frisst Energie, erzeugt Dauerstress und hält dich in einem Zustand der Lähmung. Du wartest auf ein Zeichen, auf den perfekten Moment, auf die absolute Sicherheit, dass du das Richtige tust.
Aber diese Sicherheit gibt es nicht. Keine Entscheidung dieser Tragweite kommt mit Garantie. Was es aber gibt, ist Klarheit – und die entsteht, wenn du aufhörst, vor der Entscheidung wegzulaufen, und dich ihr stellst.
Einige Gedanken, die helfen können:
- Es gibt kein „richtig" und kein „falsch". Es gibt Entscheidungen, die sich im Nachhinein als gut herausstellen, und solche, die sich als schwierig erweisen. Aber jede ehrlich getroffene Entscheidung ist besser als keine Entscheidung.
- Du darfst dich umentscheiden. Wenn du bleibst und nach echtem Bemühen merkst, dass es nicht besser wird, darfst du deine Entscheidung revidieren. Eine Entscheidung ist kein Gefängnis.
- Die Entscheidung muss nicht heute fallen. Gib dir einen realistischen Zeitraum – aber setze dir auch eine Frist. Endloses Aufschieben ist eine Entscheidung für den Status quo, und der Status quo macht dich unglücklich.
Beziehungskrisen als Wendepunkt
Nicht jede Unzufriedenheit muss in einer Trennung enden. Manchmal ist das Gefühl, unglücklich zu sein, ein Weckruf – ein Signal dafür, dass die Beziehung sich verändern muss, nicht dass sie enden muss. Viele Paare berichten, dass ihre schwerste Krise im Nachhinein der Wendepunkt war, der ihre Beziehung auf ein neues, ehrlicheres Fundament gestellt hat. Mehr dazu erfährst du auf unserer Seite zum Thema Beziehungskrise.
Damit das gelingen kann, braucht es aber Voraussetzungen:
- Beide Partner müssen bereit sein, ehrlich hinzuschauen.
- Beide müssen bereit sein, sich zu verändern – nicht nur der andere.
- Es braucht Geduld, denn Veränderung geschieht nicht über Nacht.
- Und es braucht oft einen geschützten Rahmen, in dem diese Arbeit stattfinden kann.
Wie Coaching in dieser Situation helfen kann
Ob du alleine mit deiner Frage da stehst oder gemeinsam mit deinem Partner nach Antworten suchst – ein Beziehungscoaching kann in dieser Situation enorm wertvoll sein. Nicht, weil ich dir sage, was du tun sollst. Sondern weil ich dir helfe, Klarheit zu finden.
In einem Coaching arbeiten wir gemeinsam daran:
- Deine Gefühle zu sortieren und zu verstehen, was sie dir sagen
- Die Dynamiken in eurer Beziehung zu erkennen und zu benennen
- Deine eigenen Bedürfnisse klarer zu formulieren
- Entscheidungsblockaden zu lösen
- Einen konkreten Weg zu entwickeln – egal ob du bleibst oder gehst
Du musst diese Frage nicht alleine beantworten. Und du musst dich auch nicht schämen, dass du Hilfe brauchst. Die Entscheidung „Gehen oder bleiben?" gehört zu den schwierigsten Entscheidungen im Leben. Es ist ein Zeichen von Stärke, sich dabei Unterstützung zu holen.
Dein nächster Schritt
Wenn du diesen Artikel bis hierhin gelesen hast, dann trägst du diese Frage wahrscheinlich schon eine Weile mit dir herum. Das ist okay. Druck dich nicht, aber schiebe es auch nicht endlos auf. Der wichtigste Schritt ist oft der kleinste: Sprich es aus. Sag jemandem, wie du dich fühlst – einer Freundin, einem Vertrauten oder einem Coach.
Denn eines ist sicher: Du verdienst eine Beziehung, in der du dich lebendig fühlst. Ob das innerhalb deiner jetzigen Partnerschaft möglich ist oder einen Neuanfang braucht, kannst nur du herausfinden. Aber du musst es herausfinden – für dich selbst.
Wenn du das Gefühl hast, dass ein Gespräch dir helfen könnte, lade ich dich herzlich zu einem kostenlosen Kennenlerngespräch ein. Gemeinsam schauen wir, was du brauchst und welcher Weg für dich der richtige sein kann.
Nastasja Gabe
Beziehungscoach & Kommunikationstrainerin
Psychotherapeutische Heilpraktikerin, zertifizierte Kommunikationstrainerin und seit über einem Jahrzehnt selbstständig in Beratung und Coaching. Nastasja begleitet Einzelpersonen und Paare auf dem Weg zu erfüllteren Beziehungen.
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